Tipps für eine Scheidung mit Kindern

Wie lasse ich mich ohne zu viele negative Auswirkungen auf meine Kinder scheiden und was ist rechtlich zu beachten? Wir geben Ihnen Tipps für eine friedliche und faire Scheidung, die allen Beteiligten die Situation erleichtert.


Offene und faire Kommunikation

Wie Sie als Ex-Partner miteinander und mit der Scheidung umgehen, wirkt sich direkt auf Ihre Kinder aus. Daher gilt: versuchen Sie trotz der vielen Emotionen offen und fair mit Ihrem Partner zu kommunizieren. Kinder spüren Stimmungen und übertragen sie oft auf sich und geben sich die Schuld für die Trennung ihrer Eltern. Die Veränderung und insbesondere die Ungewissheit sind sehr verunsichernd für Ihr Kind.

Durch einfache Erklärungen Sicherheit geben

Ohne Erklärung ist die neue Situation für Kinder oft nicht nachvollziehbar und kann sehr beängstigend sein. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie Ihrem Kind die neue Situation möglichst früh ganz offen und einfach erklären. Vermeiden Sie dabei, Ihren Ex-Partner schlecht zu machen oder ihm Schuld zuzuweisen. Hierbei hilft: Erklären Sie die Situation nicht aus Ihrer Sicht, sondern aus Sicht des Kindes: Was ändert sich im Leben Ihres Kindes durch die Scheidung? Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit, indem Sie die neuen Abläufe und Regelungen genau schildern und diese ggf. sogar aufschreiben/aufmalen.

Kind bei der Planung direkt einbeziehen

Während Sie die neue Situation besprechen, sollten Sie Ihr Kind nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern nachhören, wie es sich die neue Situation wünschen würde. Stellen Sie bestenfalls verschiedene Varianten zur Verfügung, aus denen das Kind auswählen kann - zum Beispiel bei der Aufteilung der Besuchszeiten können verschiedene Varianten vorgeschlagen werden. Zudem kann es helfen, die neuen Regelungen nicht als ganz final zu beschreiben, sondern zu erklären, dass sie zunächst ausprobiert werden, um dann die Lösung zu finden, die für alle am besten passt.

Tipps kurz zusammengefasst

  • Die Stimmung im Auge behalten: offene und faire Kommunikation mit dem Partner
  • Informieren: frühzeitig informieren und durch einfache Erklärungen Sicherheit geben
  • Mit einbeziehen: das Kind mit entscheiden lassen, indem Sie z.B. Varianten für die neuen Regelungen zur Auswahl stellen

Was muss rechtlich beachtet werden?

Wenn Sie sich scheiden lassen, müssen Sie das Sorgerecht und Umgangsrecht für Ihr Kind klären. Welcher der Partner soll sich hauptverantwortlich um das Kind kümmern? Wann besucht das Kind den Partner? Zudem muss der Kindesunterhalt geregelt werden. Sollte das Kind hauptsächlich bei einem Partner leben, muss der andere für den Unterhalt aufkommen.

Sorgerecht

Sind die Eltern miteinander verheiratet, üben sie das gemeinsame Sorgerecht aus. Eine Scheidung ändert nichts an diesem gemeinsamen Sorgerecht. Geschiedene Eltern haben also weiterhin die gemeinsame elterliche Sorge. Außer, Sie möchten eine andere Regelung finden. Behalten Sie das gemeinsame Sorgerecht, haben beide in gleichem Maße Mitbestimmungsrecht, was die Sorge für das Kind (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge) angeht. Sprich: unter anderem bei allen Fragen zum Thema Gesundheit, Religion, Schuldbildung, Vermögen oder dem Aufenthalt des Kindes, haben beide Elternteile gleiches Mitspracherecht.

Umgangsrecht bei getrennt lebenden Eltern

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, hat das Recht sein Kind regelmäßig zu sehen. Das Umgangsrecht ist nicht davon abhängig, ob Unterhalt gezahlt wird oder nicht. Rechtlich sind zudem beide Elternteile (gemäß § 1684 BGB) dazu verpflichtet, alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Die Eltern sollten dem Kind also nichts Schlechtes über den Ex-Partner erzählen. Auch wenn der Frust zwischen Ihnen und Ihrem Partner eventuell groß ist, bleiben Sie Eltern und sollten daher vermeiden, Ihre Konflikte vor Ihrem Kind auszutragen.

Umgangsregelung

Es gibt keine feste gesetzliche Regelung für die Häufigkeit und Dauer der Besuche. Sie müssen als Eltern daher individuell eine Umgangsregelung/Betreuungsregelung vereinbaren, die für Sie und Ihr Kind am besten passt. Eine häufig verwendete Aufteilung ist, dass das Kind alle 14 Tage von Freitag bis Sonntag mit Übernachtungen beim anderen Partner verbringt. Auch die Schulferien und Feiertage sind zwischen den Eltern aufzuteilen. Manche Eltern verständigen sich auch auf das sogenannte “Wechselmodell”. Im Wechsel lebt das Kind dann abwechselnd z. B. zwei Wochen beim Vater und dann zwei Wochen bei der Mutter. Dies setzt natürlich voraus, dass die Eltern sich gut miteinander absprechen können und nicht weit voneinander entfernt wohnen. Wenn Sie sich nicht auf eine Regelung einigen können, gibt es die Möglichkeit, beim örtlichen Jugendamt kostenlose Elterngespräche zu führen, um gemeinsam eine außergerichtliche Lösung zu finden.

Kindesunterhalt

Der Elternteil, bei dem das minderjährige Kind nicht hauptsächlich lebt, muss sogenannten Kindesunterhalt zahlen. Alle Details zum Unterhalt und zur Berechnung des Kindesunterhalts finden Sie in unserem Spezial-Artikel zum Unterhalt.

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