Alles zum Thema Unterhalt

Wenn Sie sich scheiden lassen möchten, kommt schnell die Frage nach den damit verbundenen Kosten auf. Entscheidend sind hierbei die Unterhaltszahlungen, die nach einer Trennung auf sie zukommen können. Wir erklären Ihnen welche Arten von Unterhalt es gibt und wie diese berechnet werden.


Drei Arten von Unterhaltszahlungen

Je nachdem wie weit Ihre Trennung fortgeschritten ist, gibt es drei Arten von Unterhaltszahlungen:

  1. Trennungsunterhalt - gilt ab dem Zeitpunkt der Trennung bis zur Scheidung
  2. Nachehelicher Unterhalt - gilt ab der Scheidung
  3. Kindesunterhalt - bekommt ab dem getrennten Wohnen der Ehepartner, bei dem das Kind nicht wohnt

1. Was ist der Trennungsunterhalt?

Um sicher zu stellen, dass beide Ehepartner nach einer Trennung finanziell abgesichert sind, gibt es bereits ab dem Zeitpunkt einer Trennung den sogenannten Trennungsunterhalt. Bei dieser Art des Unterhalts handelt es sich um einen Ausgleich des Einkommens zugunsten des wirtschaftlich schlechter gestellten Ehepartners während des Getrenntlebens bis zur Scheidung.

Voraussetzungen für den Trennungsunterhalt?

  1. die Ehepartner leben getrennt
  2. ein Ehepartner ist finanziell schlechter gestellt und daher auf die Unterstützung des anderen angewiesen
  3. der schlechter gestellte Ehepartner ist selbst nicht leistungsfähig/berufsfähig

Zur Leistungsfähigkeit/Berufstätigkeit:
Wenn der geringer verdienende Ehepartner während der Ehe nicht berufstätig war, ist er auch in der Trennungszeit nicht verpflichtet zu arbeiten. Wenn dieser Ehepartner zudem das Kind betreut, gelten weitere Einschränkungen. Allgemein gilt: Regelmäßig muss der Ehepartner in den ersten drei Lebensjahren des Kindes nicht arbeiten gehen.

Wie berechnet sich der Trennungsunterhalt?

Basis der Berechnung ist der Lebensstandard und somit die Einkünfte während des Zeitraums der Ehe. Es werden daher zunächst die Einkommen der Ehegatten miteinander verglichen. Wenn ein Ehepartner weniger verdient, muss der andere Ehegatte einen Teil seines Einkommens abgeben, um die Differenz auszugleichen. Wenn sich die Ehepartner nicht basierend auf den gesetzlichen Vorgaben über den Unterhalt einigen können, entscheidet das Gericht.
Ausgangspunkt für die Berechnung ist das Nettoeinkommen (also nach Steuerzahlungen). Von diesem Nettoeinkommen werden Verpflichtungen wie zum Beispiel Miete und Versicherungen abgezogen. Nach diesen Abzügen ergibt sich das bereinigte Nettoeinkommen. Arbeitende Ehepartner erhalten einen Erwerbstätigenbonus - von dem bereinigten Nettoeinkommen wird 1/7 abgezogen. Dieser Bonus soll den erwerbstätigen Ehepartner darin bekräftigen, auch weiter arbeiten zu gehen.
Eine oft verwendete Leitlinie für die Höhe des Trennungsunterhalts ist die „3/7“-Regelung. Nach dieser Leitlinie muss der besser verdienende Ehepartner 3/7 seines Mehrverdienstes abgeben.

Rechenbeispiel Trennungsunterhalt

Bereinigtes Nettoeinkommen Ehemann3.500 €
Bereinigtes Nettoeinkommen Ehefrau1.400 €
Einkommensdifferenz (3.500 € - 1.400 €)2.100 €
3/7 Unterhaltsanspruch der Ehefrau (nach Abzug von 1/7 Erwerbstätigenbonus des Ehemanns)900 €

In diesem Beispiel müsste also der Ehemann bis zur Scheidung 900 € monatlichen Trennungsunterhalt an die Ehefrau zahlen.


2. Was ist der nacheheliche Unterhalt?

Der nacheheliche Unterhalt, auch Ehegattenunterhalt genannt, gilt ab der rechtskräftigen Scheidung. Allgemein gilt: Jeder Ehepartner ist nach der Scheidung dazu verpflichtet, sich seinen Unterhalt selbst zu verdienen.

Wenn ein Ehepartner nach der Scheidung nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen, hat er einen Unterhaltsanspruch. Dass er nicht in der Lage ist, sich durch eigenes Einkommen selbst zu versorgen, muss er dem anderen Ehepartner nachweisen (z.B. wegen Kindesbetreuung, Alter, Krankheit, etc.). Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach den Lebensverhältnissen während der Ehe.

Es besteht generell nur dann Unterhaltsanspruch, wenn der unterhaltspflichtige Ehepartner selbst leistungsfähig ist - er muss also nur Unterhalt zahlen, wenn er dies leisten kann und er dadurch nicht selbst zu sehr eingeschränkt wird.

Wie lange Unterhalt gezahlt werden muss, gibt das Gesetz nicht vor. Jedoch muss allgemein nicht mehr gezahlt werden, sobald der Grund für die Unterhaltszahlung entfällt. Zum Beispiel, wenn das gemeinsame Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat oder der Zahlungsempfangende einer Arbeit nachgeht, die ein ausreichendes Einkommen einbringt.

Wie viel Ehegattenunterhalt gezahlt werden muss, ist gesetzlich vorgegeben, aber je nach Fall und den Verhältnissen der Ehepartner sehr unterschiedlich. Eine genaue Berechnung ist daher schwierig. Es gibt jedoch grundsätzliche Vorgaben für die Berechnung, die als Orientierung dienen können.

Es gibt Fälle, bei denen kein oder nur verkürzt Unterhalt gezahlt werden muss. Zum Beispiel, wenn die Ehe nur kurz gedauert hat (als Orientierung: zwei Jahre werden als kurz angesehen), oder wenn der Unterhaltsberechtigte bereits in einer neuen verfestigten Lebensgemeinschaft lebt.

Wie berechnet sich der nacheheliche Unterhalt?

Beim nachehelichen Unterhalt gilt die gleiche Berechnung wie beim Trennungsunterhalt, d.h. Ausgangspunkt für die Berechnung ist das Nettoeinkommen. Von dem Nettoeinkommen werden Verpflichtungen wie zum Beispiel Miete und Versicherungen abgezogen. Nach diesen Abzügen ergibt sich das bereinigte Nettoeinkommen. Arbeitende Ehepartner erhalten einen Erwerbstätigenbonus - von dem bereinigten Nettoeinkommen wird 1/7 abgezogen. Dieser Bonus soll den erwerbstätigen Ehepartner darin bekräftigen, auch weiter arbeiten zu gehen. Die Differenz aus den beiden bereinigten Nettoeinkommen wird dann auf die Ehepartner verteilt. Demnach erhält der geringer verdienende Ehepartner meist zwischen 3/7 und 4/7 der Einkommensdifferenz als monatliche Unterhaltszahlung.

Rechenbeispiel nachehelicher Unterhalt

Gleiche Rechnung wie beim Trennungsunterhalt:

Bereinigtes Nettoeinkommen Ehemann3.500 €
Bereinigtes Nettoeinkommen Ehefrau1.400 €
Einkommensdifferenz (3.500 € - 1.400 €)2.100 €
3/7 Unterhaltsanspruch der Ehefrau (nach Abzug von 1/7 Erwerbstätigenbonus des Ehemanns)900 €

In diesem Beispiel müsste also der Ehemann bis zur Scheidung 900 € nachehelichen Unterhalt an die Ehefrau zahlen.


3. Was ist der Kindesunterhalt?

Grundsätzlich hat jedes Kind Anspruch auf Unterhalt durch seine Eltern. Während die Eltern zusammenleben, wird dieser Unterhalt gleichverteilt durch Vater und Mutter durch die Erziehung, Unterkunft und Verpflegung des Kindes geleistet. Bei einer Trennung oder Scheidung müssen nach wie vor beide Elternteile Unterhalt für das Kind leisten.
Wie der Kindesunterhalt ab dem Getrenntleben der Eltern gesetzlich geregelt ist, haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Für minderjährige Kinder oder volljährige Kinder in Ausbildung oder Studium (wenn es die Erstausbildung ist) muss Unterhalt gezahlt werden. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet den Unterhalt durch Unterkunft und Verpflegung (Naturalunterhalt), so dass der andere Elternteil in der Regel monatlich durch Geldzahlungen den Unterhalt des Kindes sicher stellen muss (Barunterhalt).

Der Unterhalt muss monatlich im Voraus gezahlt werden. Wenn der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, nicht in der Lage ist, Unterhalt zu zahlen, besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss durch den Staat.

Wie viel Kindesunterhalt gezahlt werden muss, wird meist nach der sogenannten "Düsseldorfer Tabelle" berechnet, die - abhängig vom aktuellen Einkommen des Unterhaltszahlers und vom Alter des Kindes - die Höhe des Unterhalts vorgibt.

Damit Eltern durch den Kindesunterhalt finanziell nicht zu sehr beeinträchtig werden, gibt es den sogenannten Selbstbehalt, also einen Anteil am Einkommen, den der Unterhaltszahlende immer behalten darf - dieser Anteil ist gesetzlich wie folgt definiert (Stand 2018):

  • Kind bis 21 Jahre (im Haushalt eines Elternteils lebend), Unterhaltszahlender arbeitet: Selbstbehalt 1080 €
  • Kind bis 21 Jahre (im Haushalt eines Elternteils lebend), Unterhaltszahlender arbeitet nicht: Selbstbehalt 880 €

Wie berechnet sich der Kindesunterhalt?

Die Höhe des Kindesunterhalts ist gesetzlich durch die Düsseldorfer Tabelle festgelegt. In dieser Tabelle wird, abhängig von dem Einkommen des Unterhaltszahlenden und des Alters des Kindes, ein genauer Mindestbetrag für den Unterhalt angegeben.
Wichtig: Dieser Betrag reduziert sich noch um das Kindergeld - bei minderjährigen Kindern wird das Kindergeld zur Hälfte abgezogen, bei volljährigen Kindern das vollständige Kindergeld.

Düsseldorfer Tabelle (Stand 2018)

NettoeinkommenAltersstufen des Kindes
0-56-1112-17ab 18
0 - 1.900348399467527
1.901 - 2.300366419491554
2.301 - 2.700383439514580
2.701 - 3.100401459538607
3.101 - 3.500418479561633
3.501 - 3.900446511598675
3.901 - 4.300474543636717
4.301 - 4.700502575673759
4.701 - 5.100529607710802
5.101 - 5.500557639748844
ab 5.501nach den Umständen des Falles
Alle Werte in EUR

Rechenbeispiel:
Wenn das Nettoeinkommen des Unterhaltszahlenden unter 1900 € liegt und das Kind 7 Jahre alt ist, ergibt sich laut Düsseldorfer Tabelle ein Mindestunterhalt von 399 €.
Das Kindergeld (für das erste Kind) beträgt aktuell 194 € und wird zur Hälfte(97 €) vom Mindestunterhalt abgezogen, da das Kind minderjährig ist. Daraus ergibt sich ein Kindesunterhalt von 302 € (399 € - 97 €), der monatlich gezahlt werden muss.

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