Einfach erklärt: Versorgungsausgleich

Bei einer Scheidung werden Sie früher oder später über den Versorgungsausgleich “stolpern”. Der Versorgungsausgleich ist für Sie vermutlich ein neuer Begriff und er ist ein wichtiger Bestandteil im Scheidungsprozess, daher erklären wir Ihnen diesen hier.


Was ist der Versorgungsausgleich?

Während einer Ehe zahlen oftmals beide Partner über Ihre Arbeit in die Rentenkasse zur Altervorsorge ein. Wenn ein Partner während der Ehe mehr einzahlt (weil er mehr verdient) als der andere Partner, wird diese "Mehrversorgung" bei einer Scheidung durch das Gericht ausgeglichen - dies nennt man "Versorgungsausgleich". Bei einer Scheidung müssen die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche zwischen den Ehepartnern aufgeteilt werden. Um die Durchführung des Versorgungsausgleichs zu erleichtern, sind beide Ehegatten dazu verpflichtet, dem Gericht Auskunft über während der Ehezeit erworbene Ansprüche zu erteilen. Sobald Sie Ihre Scheidung eingereicht haben, erhalten Sie daher vom Familiengericht ein Schreiben, in dem alle Informationen für den Versorgungsausgleich abgefragt werden. Erst wenn alle Auskünfte zu den Renten vorliegen und der Versorgungsausgleich durchgeführt wurde, kann das Familiengericht den Gerichtstermin für die Scheidung festlegen.

Für wen ist der Versogungsausgleich relevant?

Im Normalfall wird der Versorgungsausgleich immer automatisch nach Beantragung der Scheidung durch das Familiengericht durchgeführt. Falls beidseitig gewünscht, kann das Ehepaar allerdings im Ehevertrag oder in einer Scheidungsfolgenvereinbarung auf den Versorgungsausgleich verzichten oder anstelle des Versorgungsausgleichs eine andere Leistung vereinbaren.

Wenn die Ehe weniger als drei Jahre andauerte und kein gesonderter Antrag auf einen Versorgungsausgleich gestellt worden ist oder wenn der Ausgleichswert der jeweiligen Anrechte zu gering ist, wird kein Versorgungsausgleich durchgeführt.

Für welchen Zeitraum wird der Versorgungsausgleich durchgeführt?

Es werden immer nur die Ansprüche aus der Ehezeit ausgeglichen, doch wie wird die Dauer der Ehe bestimmt? Genau genommen dauert eine Ehe vom Tag der standesamtlichen Heirat bis zur rechtskräftigen Scheidung an. Für den Versorgungsausgleich wird die Ehezeit jedoch anders definiert. Laut Gesetz beginnt die Ehezeit am ersten Tag des Monats der Eheschließung und endet am letzten Tag des Monats vor der Zustellung des Scheidungsantrags bei Gericht.

Beispiel für die Berechnung der Dauer:
Heirat am 10. April 2014
Zustellung des Antrags beim Gericht am 05. September 2018

Die Ehezeit läuft in diesem Beispiel vom 01. April 2014 bis zum 31. August 2018. Für diesen Zeitraum wird dementsprechend der Versorgungsausgleich durchgeführt.

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